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Verein | News | 22.03.2020
22.03.2020
Manneck wollte "einfach nur noch weg"

Porträt: Ginsheim-Akteur über Corona-Krise in den USA, Erfahrungen im College-Sport und Zukunft in Ginsheim

Autor: Johannes Wolf

Es ist Mittwoch, der 18. März 2020, 13 Uhr. Eigentlich sollte Lukas Manneck gerade eine Ernährungs-Vorlesung an der Tiffin University besuchen. Stattdessen sitzt der 23-Jährige hektisch vor seinem Laptop und versucht, irgendwie seinen Rückflug Richtung Deutschland nach vorne zu verschieben. Noch zehn Tage zuvor hätte Manneck nicht im Traum daran gedacht, seine Zelte in den USA früher abzubrechen. Nun durchforstet er die Seiten des Auswärtigen Amtes, um sich über die aktuellen Ausreisebestimmungen der Vereinigten Staaten zu informieren. Das Corona-Virus hat auch das Leben im US-Bundesstaat Ohio fest im Griff.


Normalerweise würde Manneck noch mitten im Frühlings-Training der "Tiffin Dragons" stecken. Doch die Universitäts-Fußballmannschaft musste - genauso wie alle anderen Teams in Ohio - den Trainings- und Spielbetrieb einstellen. Doch nicht nur der Sport kommt gut 90 Meilen südwestlich von Cleveland aktuell zu kurz: "Das gesamte öffentliche Leben steht seit Tagen quasi still. Die Hörsäle, Sportstätten, Bibliotheken sowie die großen Aufenthaltsräume der Universität haben geschlossen. Alle noch ausstehenden Kurse werden online abgehalten", erzählt Manneck. Normalerweise sieht das an der Tiffin University ganz anders aus. Egal ob am Wochenende oder unter der Woche - die verschiedenen Räumlichkeiten der Hochschule sind immer gut frequentiert. Kein Vergleich zur aktuellen Situation also.

Ursprünglich war Mannecks Rückflug für den 5. Mai geplant, doch bereits am Freitag trat er seine Heimreise in Richtung Frankfurt an. "Es ist mir nach der tollen Zeit in Tiffin echt schwer gefallen, aber ich wollte einfach nur noch weg", gibt der Ginsheimer zu. Die drohenden Ausgangssperren in Deutschland und den USA beschleunigten diesen Wunsch natürlich. Auch Gespräche mit Familie und Freunden in Deutschland spielten bei der Entscheidungsfindung eine Rolle: "Das ist ehrlich gesagt schon eine befremdliche Situation. Man weiß gar nicht so richtig, wie man damit umgehen soll. Trotzdem war mir nach Gesprächen mit meiner Familie klar, dass eine frühere Rückkehr die einzig sinnvolle Option ist"

Sportlich eine "tolle Erfahrung"

Dass seine Zeit in Tiffin ein solches Ende finden würde, konnte der Lehramtsstudent natürlich nicht wissen. Trotzdem zeigt sich der Ginsheimer von seiner Zeit bei den "Drachen" angetan: "Ich fand es wirklich beeindruckend, wie gut das hier alles organisiert ist. Die Trainingsbedingungen waren fast schon professionell." Neben einem Natur- und Kunstrasen (letzterer wird in den Wintermonaten in eine Traglufthalle umfunktioniert), steht den Akteuren nicht zuletzt eine großräumige Kabine und ein Kraftraum zur Verfügung. Obwohl die "Tiffin University" bei weiten nicht zu den größten Unis in den USA zählt, fährt die Mannschaft fast immer mehrere Stunden zu den Auswärtsspielen. "Wir sind teilweise so lange mit dem Bus unterwegs, dass wir uns am Spielort ein Hotel nehmen müssen. Auch das wird alles von den Verantwortlichen organisiert. Dies ist im Amateurbereich in Deutschland natürlich undenkbar", berichtet der Defensiv-Allrounder.

Auf dem Platz wusste Tiffin ebenfalls zu überzeugen: Nachdem man sich in der Hauptrunde noch mit dem vierten Tabellenplatz zufrieden geben musste, gaben sich die "Drachen" im Finalturnier keine Blöße und konnten den Titelgewinn in ihrer regionalen Liga feiern. Wirklich lange hielt die Freude bei Manneck und seinem Team allerdings nicht, denn bereits nach der ersten Partie im darauffolgenden landesweiten Endturnier musste Tiffin seine Segel streichen. "Natürlich wären wir im großen Turnier gerne weitergekommen, vor allem weil dann Runde um Runde mehr Zuschauer gekommen wären. Trotzdem freue ich mich natürlich über den Titel auf regionaler Ebene", blickt der 23-Jährige auf das Gezeigte zurück.

Auch mit seinen persönlichen Leistungen ist Manneck zufrieden: "Sportlich war das für mich eine tolle Erfahrung. Ich war von Anfang an Stammspieler und habe direkt das Vertrauen von Trainer und Mannschaft gespürt. Das hilft natürlich, um sich schneller in einer neuen Liga und einem neuen Land zurechtzufinden." Dies ist dem Ginsheimer Hessenliga-Spieler so gut gelungen, dass er seine Gast-Universität teilweise sogar als Kapitän repräsentieren durfte. Ein wenig Anlaufschwierigkeiten gibt der Mittelfeldspieler in gleichen Atemzug allerdings auch zu: "Der Fußball ist ein anderer als in Deutschland. Durch viele Spieler aus Großbritannien ist er deutlich körperbetonter. Qualitativ schätze ich allerdings die Hessenliga deutlich stärker ein."

Rückkehr nach Ginsheim als erste Option

Stichwort Hessenliga: Durch das abrupte Ende der aktuellen "Frühlings-Saison" und dem vorgezogenen Semester-Ende befasst sich Manneck - deutlich früher als gedacht - damit, wie es für ihn in Deutschland sportlich weitergeht: "Der VfB ist mein erster Ansprechpartner. Ich fühle mich wohl und spiele ja auch schon seit einiger Zeit in Ginsheim." Auch mit dem neuem Cheftrainer Matthias Güldener stehe er in Kontakt. Dass es beim Hessenligisten von der Mainspitze in den letzten Monaten einige Veränderungen gab, hat der 23-Jährgie trotz der großen Entfernung auf dem Radar: "Natürlich habe ich mitbekommen, dass sich im Winter einiges getan hat. Die Jungs haben mich da immer auf dem Laufenden gehalten. Das ist in den Gesprächen natürlich Thema."

Im Augenblick zählt allerdings vor allem eins: "Erstmal richtig ankommen und vom Stress der überstürtzten Rückreise erholen." Dass diese zur Schwierigkeit werden würde, hätte Manneck beim besten Willen nicht gedacht.
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