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Verein | News | 21.05.2020
21.05.2020
VfB Ginsheim: Unsere Schiedsrichter, Teil 9

….Lion Gütlich: Ein Jahr in einer anderen Welt

Der neunzehnjährige Lion ist seit 2017 Schiedsrichter, hat es jedoch in dieser Zeit auf nicht allzu viele Einsätze gebracht, da er auch noch in der VfB-Jugend dem runden Leder nachjagte. Außerdem befand sich Lion für ein Jahr im Ausland, genauer gesagt in dem westafrikanischen Staat Ghana, nachdem sich seine ursprünglichen Pläne mit einem Aufenthalt als backpack tourist in Australien oder den USA zerschlagen hatten. Die Verbindung nach Ghana erfolgte über das Programm „Weltwärts“ der Bundeszentrale für politische Bildung des Ministeriums des Innern. Im Rahmen eines sozialen Jahres gelangte Lion schließlich in eine Fußballakademie in der Stadt Bepong, etwa 3-4 Autostunden von der Hauptstadt Accra entfernt.

Nach den Angaben von Lion wird die Fußballakademie von einem sogenannten Coach geführt, der auch als Gastvater bezeichnet wird und dessen Aufgaben sich u.a. auch auf Unterkunft und Verpflegung von den Freiwilligen aus Deutschland erstrecken. Die Akademie beherbergt Mannschaften von den U 11 – U 19 Junioren, denen Kinder schon im Alter von 7/8 Jahren bis hin zu Jugendlichen/Erwachsenen bis 21 Jahre angehören. Die Unterbringung erfolgt in verschiedenen Hütten, die etwa für 7 oder 8 Personen Platz haben.

Aus der Sicht von Lion zeigten die Kinder und Jugendlichen Verhaltensweisen, die in Gesellschaften unserer Art nicht mehr unbedingt zur Regel gehören. Als besonderes Merkmal führte er den enormen Respekt an, den Jüngere den Älteren gegenüber aufbrächten. Das Leben in den Hütten sei gut organisiert, die Jüngeren folgten den Anweisungen älterer Akademiemitglieder. Das Verhalten Fremden gegenüber sei von enormer Gastfreundschaft geprägt, was er selbst habe erfahren können.

Auch das Erlernen von Geduld musste man sich aneignen, fuhr Lion fort, um das Leben dort einfach besser zu verstehen. Als Beispiel führte er einen Anruf des Gastvaters an, wonach sich die Gruppe um Lion auf den Weg in die Hauptstadt machen möge, um ihn dort zu treffen. Er selbst würde in Kürze dort eintreffen und auf die Gruppe warten. Im Ergebnis endete die Geschichte aber so, dass Lion und seine Begleiter 4 ½ Stunden auf das Eintreffen des Gastvaters in Accra hätten warten müssen. Auch in Bezug auf Zeitgefühl habe er sich eben in einer anderen Welt befunden.

Lion nahm für sich noch etwas anderes mit, wie er erklärte. Es sei etwas, was in unserer Gesellschaft kaum noch möglich zu sein scheine: Ein Zusammenleben ohne Ressentiments. Er habe gemeinsame Religionsausübungen von Christen und Muslimen beobachten können, in denen wechselweise muslimische und christliche Vorbeter zum Gebet aufgerufen und sich alle dabei durchgehend in einem Kreis stehend an den Händen festgehalten hätten.

Kulinarische Genüsse hätten sich eher in untergeordnetem Niveau präsentiert, war weiter zu erfahren. Lion sprach vom dortigen Nationalgericht Fufu, bei dem es sich um ein westafrikanisches Gericht handele. Es bestehe aus einem zu einem Brei gestampften gekochten Maniok- oder Jamsknollen, der zu Kugeln geformt und mit einer stark gewürzten, öligen Suppe übergossen würde. Gewöhnen müssen habe er sich in der Regel an fleischlose Gerichte und daran, dass man das Essen mit den Händen zu sich nehme.

Selbstredend war auch der dortige Fußball Gegenstand der Unterhaltung. Lion zeigte sich erstaunt, auf welch hohem technischen Niveau sich die jungen Spieler befänden. Beeindruckend sei auch deren offenbar nie enden wollende Laufbereitschaft, die aus einer normen Physis herrühre. Das Niveau der erwachsenen Spieler sei durchaus mit dem einer Herrenmannschaft in der Oberliga zu vergleichen, vielleicht auch mit dem ein wenig darüber.

In Bezug auf seine Entscheidung, Schiedsrichter zu werden, führte er an, dass ihm daran gelegen gewesen sei, das Spiel auch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Motiviert hätten ihn die Aussagen von Timo Hager, der ihm offen und ehrlich seine Erlebnisse geschildert habe. Sein erstes Spiel habe er mit der Begegnung der D-Junioren zwischen SKV Mörfelden und TSV Goddelau im Mai 2017 geleitet. Es habe sich um ein sehr faires Spiel gehandelt, das kaum Einwirkungen seinerseits erforderlich machte, so dass er seine Nervosität alsbald habe ablegen können. Die schönsten Erlebnisse seien für ihn, wenn Spieler und Trainer nach einer herben Niederlage trotzdem auf ihn zu kämen und ihm gegenüber ein positives Feedback abgeben würden. Nicht nachvollziehen könne er das teilweise gezeigte unfaire Verhalten vor allem von Eltern, mit dem er mittlerweile aber umzugehen wüsste.

Seine Tätigkeit als Schiedsrichter sei ihm in seiner persönlichen Entwicklung nützlich gewesen, meinte er. Er habe dabei gelernt, klare Entscheidungen zu treffen, für das, was er für richtig und falsch hielte. Für ihn stehe beim Pfeifen ganz klar der Spaß im Vordergrund. Ein Ziel, in welcher Liga er unbedingt mal Spiele leiten möchte, habe er zwar nicht. Dies verhindere jedoch nicht den Blick nach oben.

Lion strebt ein Duales Studium für die Bereiche Sportmanagement/ Internationales Business an und hofft mit seinen Bewerbungen auf ein offenes Ohr des einen oder anderen Unternehmens. Wir wünschen ihm viel Glück dazu, das man gerade in der jetzigen Zeit unbedingt gebrauchen kann. Natürlich wünschen wir uns auch, dass Lion weiter dem VfB als Spieler und Schiedsrichter erhalten bleibt.

Demnächst folgt ein abschließender Bericht über das Schiedsrichterwesen, in dem auch die Erkenntnisse aus den einzelnen Erhebungen über die Tätigkeiten der VfB-Schiedsrichter mit einfließen.
Lion Gütlich


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